AmigaOS 4.0 für Classic Amiga

 |   |  Kommentieren

AmigaOS 4.0Zwar nicht mehr ganz so frisch, dafür frisch auf meinem Amiga 4000T installiert – das neue AmigaOS 4.0 für Classic Amiga.

Nach Jahren der Entwicklung veröffentlichte Hyperion Entertainment VOF bereits am 30. November 2007 das langersehnte AmigaOS 4.0 nun auch für den Classic Amiga – sofern man eine PowerPC-Erweiterungskarte sein eigen nennen kann, denn AmigaOS 4.0 ist ein reines PowerPC-Betriebssystem und kann auf Rechnern, die nur über einen Prozessor der Motorola 68000-Familie verfügen, leider nicht mehr genutzt werden. Das gleiche gilt natürlich auch für Emulatoren wie WinUAE. Der weltweite Vertrieb wird von ACube Systems Srl. übernommen und liefert das Produkt in einem Karton mit CD-ROM, Bootdiskette und einer gedruckten Schnellstart-Anleitung aus. Der Verkaufspreis liegt im Handel bei knapp 90,- Euro.

InstallationFür die Installation hat man die Wahl, ob man entweder von beiliegender Bootdiskette starten will oder die Installation von AmigaOS 3.x aus aufrufen möchte, wobei die Aktualisierung einer älteren AmigaOS Installation nicht unterstützt wird. Durch die Installation wird man dabei von einem neuen Installer geführt und ermöglicht somit selbst dem unerfahrenen Anwender eine schnelle und einfache Durchführung. Für die Systempartition sollte man hier mindestens 200 MB einkalkulieren sowie über mindestens 64 MB Arbeitsspeicher verfügen. Als Dateisystem würde ich SFS (SmartFileSystem) empfehlen, da dieses von AmigaOS 3.x als auch MorphOS fehlerfrei gelesen und beschrieben werden kann. Somit erreicht man höchstmögliche Kompatibilität aller Systeme untereinander.

DesktopIst die Installation geglückt und hat man einen Neustart durchgeführt, so sollte nun die neue Workbench von AmigaOS 4.0 den Anwender anlächeln. Auf den ersten Blick wird einem dabei jedoch wenig Neues auffallen, wodurch man sich aber auch gleich heimisch fühlt. Die Oberfläche wurde leicht aufpoliert und die neuen Icons wissen zu gefallen. Viele bekannte Programme und Einsteller aus AmigaOS 3.9 wurden überarbeitet oder gar komplett ersetzt. Mit Sirion kommt auch gleich ein eigener USB-Stack mit, bietet jedoch nur Unterstützung für die Highway-Karte und wirkt zudem sehr rudimentär. Für mich als Deneb-Besitzer bleibt daher nur der Weg über Poseidon, welches jedoch auch unter AmigaOS 4.0 einwandfrei seinen Dienst verrichet. Auch von Roadshow, dem neuen TCP/IP-Stack, bin ich etwas enttäuscht. Zwar lassen sich damit Verbindungen leicht und einfach herstellen, doch vermisse ich eine entsprechende Kontrolloberfläche, wie man sie beispielsweise von Genesis her kannte. Ein einfaches trennen der Verbindung oder ändern der Schnittstelle ist daher nicht möglich und hinterlässt somit leider nur einen halbfertigen Eindruck.

Media Toolbox und Partition WizardNeben der neuen Media Toolbox, welche die alte HDToolBox ersetzt, gesellt sich mit dem PartitionWizard auch ein neues nützliches Tool hinzu. Damit lassen sich bequem und einfach Partitionen optimieren, reparieren und gegebenenfalls auch wiederherstellen, sollte einmal der Gau eintreten. Ebenfalls neu mit dabei ist eine Portierung von Python 2.5.1 und Ghostscript 8.54, wofür mit AmiGS auch gleich ein passendes Programm mit GUI beiliegt. Anstatt AWeb liegt nun IBrowse 2.4 in einer OEM-Version bei, eine Spezial-Version von DvPlayer für die Video- und DVD-Wiedergabe ersetzt den alten Action-Player und MUI 3.9 liegt in einer nativen PowerPC-Version vor. Was ich jedoch vermisse, ist die VNC-Shell, denn die Standard-Shell bietet leider noch nicht alle Optionen an, so dass man um den Einsatz einer Alternative derzeit noch nicht herum kommt.

68k-ProgrammeDie Kompatibilität zu vorhandener 68k-Software gewährleistet ein integrierter JIT-Compiler, womit sich ältere Programme, zu denen es noch keine native AmigaOS 4.0 Version gibt, auch weiterhin nutzen lassen. Ich konnte damit Programme wie beispielsweise ArtEffect, fxPaint, AmIRC oder MakeCD problemlos starten und nutzen. Wie es sich mit Spielen oder Programmen verhält, welche die Amiga Custom Chips nutzen, kann ich leider nicht sagen, da ich entsprechendes auf dem grossen Amiga nicht installiert habe. Sollte es einmal Schwierigkeiten mit einem Programm geben, so gibt es einen passenden Voreinsteller, womit sich diese auf eine Blacklist setzen lassen und vom JIT-Compiler ignoriert werden. In diesem Fall greift dann die statische 68k-Emulation. Für Besitzer einer Permedia2-basierenden Grafikkarte, wie die CyberVision PPC oder BlizzardVision PPC, gibt es eine weitere Einschränkung, denn obwohl von einem Entwickler in einem Forumsbeitrag im Dezember 2007 mit einem kommenden Update in Aussicht gestellt, gibt es bis heute noch keine 3D-Unterstützung. Somit können auch keine passenden Spiele oder Demos unter AmigaOS 4.0 genutzt werden. Keine gute Nachricht gibt es auch für Repulse Besitzer wie mich, denn auch hier gibt es keine native Unterstützung und selbst die vorhandenen 68k-Treiber verweigern ihren Dienst.

DesktopDie Geschwindigkeit von AmigaOS 4.0 auf meiner CyberStorm PPC mit einem 180 MHz getakteten PowerPC 604e ist ordentlich. Das allgemeine Arbeiten geht spürbar schneller von der Hand als unter AmigaOS 3.9, lediglich das verschieben von Programmfenstern kann recht zäh werden. Vermutlich haben hier Besitzer einer schnelleren Grafikkarte als meine CyberVision PPC die besseren Ergebnisse. Bedingt durch die recht alte Hardware darf man natürlich keine Wunder erwarten. So ist es beispielsweise auch weiterhin nicht möglich eine DVD in voller Auflösung zu schauen. Auch der hohe Speicherverbrauch unter AmigaOS 4.0 kann schnell an die Grenzen der Hardware stossen. So werden gegenüber AmigaOS 3.9 schon nach dem Start rund 30 MB mehr an Arbeitsspeicher beansprucht. Zur Optimierung sollte man sich daher unbedingt das KickLayout-File anschauen und unbenutze Module ausschalten. Dies spart in der Regel rund 6-8 MB an Arbeitsspeicher, was gerade für CyberStorm PPC Besitzer ein kleiner Segen ist.

Als Fazit lässt sich sagen, das AmigaOS 4.0 durchaus Spass machen kann und man so in den Genuss von neuen Programmentwicklungen kommt, wie beispielsweise dem Origyn Web Browser. Bedingt jedoch durch die alte Hardware wird man mit entsprechenden Einschränkungen leben müssen. Wer bisher mit dem Gedanken spielt, einen neuen AmigaOS 4.0 Rechner zu kaufen, sich aber noch nicht schlüssig ist, ob es auch die Erwartungen erfüllen kann, der kann mit der Classic Version zumindest einen kleinen Schnupperkurs machen. Vorrausgesetzt, man ist im Besitz eines Amiga mit PowerPC-Prozessorkarte.

Meine Wertung: checkmark_31

2 Antworten zu “AmigaOS 4.0 für Classic Amiga”

  1. Alex sagt:

    Amiga bedeutet an sich meine Kindheit.
    Was habe ich da Stunden und Stunden vor verbracht.
    Schön dass es um dieses Kultstück nicht ruhig wird, somit auch danke für diesen Blog.
    Wünsche viel Erfolg!

  2. Matthias sagt:

    Danke, ich werde mir Mühe geben, den Blog mit möglichst interessanten Beiträgen zu füllen. 😉

Hinterlasse eine Antwort





Zur Werkzeugleiste springen